Die berufliche Weiterbildung ist in Deutschland ein Schlüssel zu besseren Karrierechancen – doch viele Menschen können sich die hohen Kosten für Qualifizierungsmaßnahmen nicht leisten. Genau hier setzt der Bildungsgutschein an: Ein Förderinstrument der Bundesagentur für Arbeit, das Ihnen die Türen zu kostenfreier beruflicher Weiterbildung öffnen kann.
Als HR-Consultant erlebe ich täglich, wie Menschen durch gezielte Weiterbildung ihre berufliche Situation grundlegend verbessern. Der Bildungsgutschein ist dabei eines der wertvollsten, aber leider auch eines der am wenigsten bekannten Instrumente der Arbeitsförderung in Deutschland. In diesem umfassenden Ratgeber erkläre ich Ihnen, wie Sie von dieser Förderung profitieren können.
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Was ist ein Bildungsgutschein?
Der Bildungsgutschein ist eine schriftliche Zusage der Bundesagentur für Arbeit (BA) oder des Jobcenters, die Kosten für eine berufliche Weiterbildung vollständig zu übernehmen. Er wurde im Rahmen der Hartz-Reformen 2003 eingeführt und ist im Sozialgesetzbuch III (§ 81 SGB III) verankert.
Die wichtigsten Merkmale im Überblick
- 100% Kostenübernahme: Sämtliche Lehrgangsgebühren werden direkt vom Arbeitsamt übernommen
- Zusätzliche Leistungen: Fahrtkosten, Kinderbetreuung und Unterbringungskosten können ebenfalls gefördert werden
- Lebensunterhalt gesichert: Während der Weiterbildung erhalten Sie weiterhin Arbeitslosengeld I oder II
- AZAV-Zertifizierung: Nur staatlich zugelassene Bildungsträger und Maßnahmen können gefördert werden
- Zeitliche Befristung: Der Gutschein ist in der Regel drei Monate gültig
Der Bildungsgutschein ist kein Rechtsanspruch, sondern eine Ermessensleistung. Das bedeutet: Ihr Arbeitsvermittler entscheidet individuell, ob die Voraussetzungen für eine Förderung erfüllt sind.
Wer hat Anspruch auf einen Bildungsgutschein?
Die Zielgruppen für einen Bildungsgutschein sind breit gefächert. Grundsätzlich können folgende Personengruppen einen Antrag stellen:
Berechtigte Personengruppen
- Arbeitslose mit Leistungsbezug (ALG I oder ALG II)
- Von Arbeitslosigkeit bedrohte Personen (z.B. bei drohender Kündigung)
- Berufsrückkehrer nach Elternzeit oder längerer Krankheit
- Geringqualifizierte ohne Berufsabschluss
- Personen über 45 Jahre mit Weiterbildungsbedarf
- Menschen mit Behinderungen
- Beschäftigte in Transfergesellschaften
Voraussetzungen für die Förderung
Um einen Bildungsgutschein zu erhalten, müssen Sie bestimmte Kriterien erfüllen:
- Beratungsgespräch: Sie haben ein ausführliches Gespräch mit Ihrem Arbeitsvermittler geführt
- Notwendigkeit: Die Weiterbildung ist notwendig, um Arbeitslosigkeit zu beenden oder eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden
- Eingliederungschancen: Die Maßnahme verbessert Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt nachweislich
- Keine Alternative: Es gibt keine andere zumutbare Möglichkeit der Qualifizierung
- Mindestdauer der Arbeitslosigkeit: In der Regel mindestens sechs Wochen arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht
Wichtiger Hinweis für Menschen mit Migrationshintergrund: Wenn Sie noch nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, kann zunächst ein Sprachkurs (B2-Niveau) gefördert werden, bevor Sie einen Bildungsgutschein für eine fachliche Weiterbildung erhalten.
Was wird durch den Bildungsgutschein gefördert?
Der Bildungsgutschein deckt ein breites Spektrum an Weiterbildungsmaßnahmen ab. Wichtig ist dabei, dass sowohl die Bildungseinrichtung als auch die konkrete Maßnahme eine AZAV-Zertifizierung besitzen.
Förderfähige Weiterbildungsarten
Abschlussorientierte Weiterbildungen
- Nachholen von Berufsabschlüssen (z.B. Umschulung zur Pflegefachkraft)
- Meister- und Technikerausbildungen
- IHK- oder HWK-Abschlüsse
Anpassungsfortbildungen
- IT-Qualifikationen (z.B. SAP, Programmiersprachen, Webdesign)
- Buchhaltung und Rechnungswesen (DATEV, Lexware)
- Projektmanagement-Zertifikate
- Sprachkurse (Wirtschaftsenglisch, Fachsprache)
- Gabelstaplerschein und andere Führerscheine
Berufliche Neuorientierung
- Umschulungen in Mangelberufen
- Quereinstieg in neue Branchen
- Digitale Kompetenzen für den Arbeitsmarkt 4.0
Was ist die AZAV-Zertifizierung?
AZAV steht für „Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung“. Diese Zertifizierung garantiert, dass:
- Der Bildungsträger qualitätsgeprüft ist
- Die Lehrinhalte arbeitsmarktrelevant sind
- Qualifizierte Dozenten eingesetzt werden
- Regelmäßige Qualitätskontrollen stattfinden
Nur Kurse mit AZAV-Zertifizierung können über den Bildungsgutschein abgerechnet werden. Sie erkennen zertifizierte Kurse an einer speziellen Maßnahmenummer, die mit dem Arbeitsamt abgerechnet wird.
Der Weg zum Bildungsgutschein: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Die Beantragung eines Bildungsgutscheins erfordert strategisches Vorgehen und gute Vorbereitung. Hier ist meine bewährte Vorgehensweise:
Schritt 1: Berufliche Standortbestimmung
Bevor Sie den Kontakt zum Arbeitsamt aufnehmen, sollten Sie sich klar darüber werden:
- Welche beruflichen Ziele verfolge ich?
- Welche Qualifikationen fehlen mir auf dem aktuellen Arbeitsmarkt?
- In welchen Branchen gibt es gute Beschäftigungschancen?
- Welche Weiterbildungen sind in meinem Wunschbereich anerkannt?
Mein Tipp: Recherchieren Sie den regionalen Arbeitsmarkt. Schauen Sie sich Stellenanzeigen an und notieren Sie, welche Qualifikationen häufig gefordert werden.
Schritt 2: Terminvereinbarung beim Arbeitsamt
Kontaktieren Sie Ihren zuständigen Arbeitsvermittler und vereinbaren Sie einen ausführlichen Beratungstermin. Formulieren Sie bereits in der Terminanfrage, dass Sie sich für eine Weiterbildungsförderung interessieren.
Schritt 3: Das entscheidende Beratungsgespräch
Dieses Gespräch ist der Schlüssel zu Ihrem Bildungsgutschein. Kommen Sie professionell vorbereitet:
Unterlagen, die Sie mitbringen sollten:
- Aktueller Lebenslauf
- Zeugnisse und Qualifikationsnachweise
- Liste mit AZAV-zertifizierten Weiterbildungsangeboten (mit Maßnahmenummern)
- Stellenanzeigen, die Ihre Weiterbildung rechtfertigen
- Schriftliche Begründung, warum die Weiterbildung Ihre Vermittlungschancen verbessert
Im Gespräch selbst:
- Zeigen Sie Eigeninitiative und Motivation
- Argumentieren Sie arbeitsmarktorientiert (nicht nur persönliches Interesse)
- Verweisen Sie auf konkrete Stellenangebote in Ihrer Region
- Betonen Sie Ihre Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln
- Seien Sie offen für Alternativvorschläge Ihres Beraters
Schritt 4: Erhalt des Bildungsgutscheins
Wenn Ihr Antrag bewilligt wird, erhalten Sie ein Dokument, auf dem vermerkt ist:
- Bildungsziel: Welche Qualifikation Sie erwerben sollen
- Gültigkeitsdauer: Meist drei Monate (in Ausnahmefällen länger)
- Regionaler Geltungsbereich: Wo Sie die Weiterbildung absolvieren dürfen
- Gültigkeitsbeginn: Ab wann die Maßnahme starten kann
Schritt 5: Auswahl des Bildungsträgers
Mit dem Gutschein in der Hand können Sie nun einen passenden Kurs bei einem AZAV-zertifizierten Anbieter auswählen. Vergleichen Sie:
- Kursinhalte und Praxisnähe
- Unterrichtszeiten (Vollzeit/Teilzeit/Online)
- Standort und Erreichbarkeit
- Reputation und Bewertungen
- Zusatzangebote (z.B. Prüfungsvorbereitung, Praktika)
Schritt 6: Anmeldung und Bestätigung
Sobald Sie sich für einen Kurs entschieden haben:
- Melden Sie sich beim Bildungsträger an
- Der Bildungsträger bestätigt Ihre Teilnahme schriftlich
- Sie reichen diese Bestätigung beim Arbeitsamt ein
- Das Arbeitsamt rechnet direkt mit dem Bildungsträger ab
Kosten und Leistungen: Was zahlt das Arbeitsamt?
Eine der größten Stärken des Bildungsgutscheins ist die umfassende Kostenübernahme. Hier ein detaillierter Überblick:
| Kostenart | Übernahme durch Arbeitsamt | Hinweise |
|---|---|---|
| Lehrgangsgebühren | 100% | Direkte Abrechnung mit Bildungsträger |
| Prüfungsgebühren | Ja | IHK, HWK oder andere Prüfungskosten |
| Lehrmaterialien | Ja | Bücher, Software, Arbeitsmittel |
| Fahrtkosten | Ja | Bei über 15 km Entfernung, Pauschal- oder Einzelfahrkarten |
| Übernachtungskosten | Unter Umständen | Bei auswärtiger Unterbringung (bis zu bestimmten Höchstsätzen) |
| Verpflegung | Teilweise | Verpflegungspauschale bei auswärtiger Maßnahme |
| Kinderbetreuung | Ja | Bis zu 160 Euro pro Kind und Monat |
| Lebensunterhalt | Ja | Weiterhin ALG I oder ALG II während der Maßnahme |
Beispielrechnung: So viel sparen Sie
Nehmen wir an, Sie absolvieren eine sechsmonatige Umschulung zur Pflegefachkraft:
- Lehrgangsgebühren: 12.000 Euro
- Fahrtkosten (6 Monate): 900 Euro
- Lehrmaterialien: 500 Euro
- Prüfungsgebühren: 300 Euro
- Kinderbetreuung (1 Kind): 960 Euro
Gesamtkosten: 14.660 Euro – die Sie nicht selbst zahlen müssen.
Zusätzlich erhalten Sie weiterhin Ihr Arbeitslosengeld, sodass Ihr Lebensunterhalt gesichert ist.
Bildungsgutschein vs. andere Förderungen: Ein Vergleich
Es gibt verschiedene Fördermöglichkeiten für berufliche Weiterbildung in Deutschland. Wo liegen die Unterschiede?
| Förderinstrument | Zielgruppe | Kostenübernahme | Voraussetzung |
|---|---|---|---|
| Bildungsgutschein (AZAV) | Arbeitslose, von Arbeitslosigkeit Bedrohte | 100% | Bewilligung durch Arbeitsamt |
| WeGebAU | Geringqualifizierte Beschäftigte | Bis 100% | Antrag durch Arbeitgeber |
| Aufstiegs-BAföG | Personen mit Berufsabschluss | 50% Zuschuss, 50% Darlehen | Meister-, Techniker- oder Fachwirt-Fortbildung |
| Bildungsprämie | Geringverdiener | Max. 500 Euro | Erwerbseinkommen unter 20.000€ |
| Qualifizierungschancengesetz | Alle Beschäftigten | Teilweise (abhängig von Betriebsgröße) | Antrag durch Arbeitgeber |
Meine Empfehlung: Der Bildungsgutschein bietet die umfassendste Förderung, wenn Sie arbeitslos sind oder Arbeitslosigkeit droht. Für Beschäftigte sind andere Programme oft geeigneter.
Häufige Fehler und wie Sie diese vermeiden
In meiner Beratungspraxis sehe ich immer wieder die gleichen Stolpersteine. Hier sind die häufigsten Fehler – und wie Sie sie umgehen:
Fehler 1: Unzureichende Vorbereitung auf das Beratungsgespräch
Problem: Sie gehen unvorbereitet zum Arbeitsamt und können nicht überzeugend darstellen, warum die Weiterbildung notwendig ist.
Lösung: Bereiten Sie eine schriftliche Begründung vor, die arbeitsmarktorientiert argumentiert. Bringen Sie Stellenanzeigen mit, die belegen, dass Ihre gewünschte Qualifikation gefragt ist.
Fehler 2: Falscher Zeitpunkt
Problem: Sie beantragen den Bildungsgutschein zu spät, der gewünschte Kurs hat bereits begonnen.
Lösung: Kümmern Sie sich frühzeitig um den Antrag, idealerweise 3-4 Monate vor dem gewünschten Kursbeginn.
Fehler 3: Fehlende AZAV-Zertifizierung
Problem: Sie haben einen Kurs gefunden, der perfekt passt – aber keine AZAV-Zertifizierung besitzt.
Lösung: Prüfen Sie vor dem Beratungsgespräch, ob Ihr Wunschkurs zertifiziert ist. Fragen Sie beim Bildungsträger nach der Maßnahmenummer.
Fehler 4: Unrealistische Erwartungen
Problem: Sie erwarten, dass jede gewünschte Weiterbildung automatisch gefördert wird.
Lösung: Seien Sie flexibel und offen für Alternativen. Manchmal schlägt der Arbeitsvermittler eine andere, aber ebenso sinnvolle Qualifizierung vor.
Fehler 5: Mangelnde Kommunikation während der Maßnahme
Problem: Sie brechen die Weiterbildung ab oder fehlen häufig, ohne das Arbeitsamt zu informieren.
Lösung: Informieren Sie Ihren Arbeitsvermittler sofort, wenn Probleme auftreten. Bei unentschuldigtem Fehlen kann die Förderung gestrichen werden.
Erfolgsgeschichten: So hat der Bildungsgutschein geholfen
Fallbeispiel 1: Maria, 34 Jahre – Vom Einzelhandel zur IT-Branche
Maria arbeitete zehn Jahre im Einzelhandel, verlor aber ihren Job aufgrund von Filialschließungen. Durch einen Bildungsgutschein konnte sie eine sechsmonatige Weiterbildung zur Web-Entwicklerin absolvieren. Die Kosten von 8.500 Euro wurden vollständig übernommen. Heute arbeitet sie in einer Digitalagentur und verdient 40% mehr als zuvor.
Fallbeispiel 2: Ahmed, 42 Jahre – Nachholen des Berufsabschlusses
Ahmed kam vor acht Jahren nach Deutschland und arbeitete als Helfer in der Logistik. Ohne formale Anerkennung seiner syrischen Ausbildung hatte er keine Aufstiegschancen. Mit einem Bildungsgutschein absolvierte er eine 18-monatige Umschulung zum Fachlageristen mit IHK-Abschluss. Heute ist er Schichtleiter und hat langfristige Perspektiven.
Praktische Tipps für Ihren Erfolg
Basierend auf meiner langjährigen Erfahrung möchte ich Ihnen diese strategischen Ratschläge mit auf den Weg geben:
Vor der Beantragung:
- Netzwerken Sie: Sprechen Sie mit Menschen, die bereits einen Bildungsgutschein erhalten haben
- Recherchieren Sie Branchen: Identifizieren Sie Zukunftsbranchen mit Fachkräftemangel (Gesundheit, IT, Handwerk)
- Dokumentieren Sie alles: Führen Sie eine Mappe mit allen Unterlagen, Korrespondenz und Nachweisen
Während der Weiterbildung:
- Bleiben Sie am Ball: Hohe Fehlzeiten gefährden Ihre Förderung
- Nutzen Sie Zusatzangebote: Viele Bildungsträger bieten Bewerbungscoaching oder Praktika an
- Vernetzen Sie sich: Ihre Mitschüler sind wertvolle Kontakte für die Jobsuche
Nach Abschluss:
- Bewerben Sie sich aktiv: Starten Sie bereits während der Maßnahme mit Bewerbungen
- Nutzen Sie Ihr Zeugnis: Präsentieren Sie Ihr neues Zertifikat selbstbewusst
- Bleiben Sie in Kontakt: Ihr Bildungsträger kann oft bei der Jobvermittlung helfen
Alternativen und Ergänzungen zum Bildungsgutschein
Falls Sie keinen Bildungsgutschein erhalten oder zusätzliche Förderung benötigen, gibt es weitere Optionen:
Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS)
Dieser Gutschein fördert kürzere Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung, z.B.:
- Bewerbungstrainings
- Kurzcoachings
- Vermittlung durch private Arbeitsvermittler
Qualifizierungschancengesetz
Wenn Sie beschäftigt sind, kann Ihr Arbeitgeber über dieses Gesetz eine Weiterbildung fördern lassen – mit Übernahme von Kurskosten und teilweise auch Ihres Gehalts während der Freistellung.
Regionale Förderprogramme
Viele Bundesländer haben eigene Programme:
- Bildungsscheck NRW: Bis 500 Euro für Weiterbildung
- Weiterbildungsbonus Hamburg: Zuschuss für berufliche Qualifizierung
- QualiScheck Rheinland-Pfalz: 60% Förderung, max. 600 Euro
Mein Tipp: Informieren Sie sich bei Ihrer regionalen Industrie- und Handelskammer (IHK) oder beim Bildungswerk Ihrer Branche über lokale Fördermöglichkeiten.
Besonderheiten für spezielle Zielgruppen
Für Menschen mit Migrationshintergrund
Wenn Deutsch nicht Ihre Muttersprache ist, beachten Sie:
- Berufsbezogene Deutschkurse (DeuFöV) können dem Bildungsgutschein vorgeschaltet werden
- Viele Weiterbildungen bieten sprachliche Unterstützung an
- Bei Anerkennung ausländischer Abschlüsse kann eine Anpassungsqualifizierung gefördert werden
Für Berufsrückkehrer nach Elternzeit
Als Mutter oder Vater nach längerer Familienphase haben Sie gute Chancen auf einen Bildungsgutschein, wenn:
- Sie Ihre beruflichen Kenntnisse aktualisieren müssen
- Ihr früherer Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann
- Sie sich beruflich neu orientieren möchten
Für Menschen über 45 Jahre
Ältere Arbeitnehmer profitieren von erleichterten Zugangsbedingungen. Die Bundesagentur für Arbeit fördert gezielt die Weiterbildung Älterer, um deren Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten.
Für Menschen mit Behinderungen
Es gibt spezialisierte Bildungsträger mit barrierefreien Angeboten. Die Förderung kann mit Leistungen der Deutschen Rentenversicherung oder der Integrationsämter kombiniert werden.
Rechtliche Hinweise und Ihre Pflichten
Mit der Annahme eines Bildungsgutscheins gehen Sie bestimmte Verpflichtungen ein:
Ihre Pflichten als Geförderte/r:
- Regelmäßige Teilnahme: Fehlzeiten müssen entschuldigt werden
- Meldepflicht: Änderungen Ihrer persönlichen Situation müssen Sie umgehend mitteilen
- Erreichbarkeit: Sie müssen für das Arbeitsamt erreichbar bleiben
- Bewerbungspflicht: Die Pflicht zur Arbeitssuche besteht während der Weiterbildung weiter
- Abschlussprüfung: Sie sind verpflichtet, die Prüfung abzulegen
Konsequenzen bei Pflichtverletzung:
Bei Verstößen gegen Ihre Pflichten kann das Arbeitsamt:
- Die Förderung widerrufen
- Bereits gezahlte Leistungen zurückfordern
- Leistungskürzungen verhängen
Wichtig: Im Zweifelsfall kommunizieren Sie offen mit Ihrem Arbeitsvermittler. Ehrlichkeit wird fast immer honoriert.
Zukunftsperspektive: Der Bildungsgutschein in Zeiten der Digitalisierung
Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Digitale Kompetenzen werden in nahezu allen Branchen unverzichtbar. Das Arbeitsamt hat dies erkannt und fördert verstärkt:
- IT-Grundlagen und Programmierung (Python, JavaScript, Java)
- Digitales Marketing (SEO, Social Media, Content-Marketing)
- Datenanalyse und Business Intelligence
- Cloud-Computing und Cybersecurity
- Künstliche Intelligenz und Machine Learning (Grundlagen)
Gleichzeitig bleibt der Fachkräftemangel in klassischen Bereichen bestehen:
- Gesundheits- und Pflegeberufe
- Handwerksberufe (Elektriker, Installateure, Klimatechniker)
- Logistik und Transport
Mein Rat: Kombinieren Sie möglichst traditionelle Fachkenntnisse mit digitalen Kompetenzen. Ein Elektriker mit Smart-Home-Expertise oder eine Bürokauffrau mit SAP-Kenntnissen hat deutlich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Ihr Weg zur geförderten Weiterbildung: Zusammenfassung
Der Bildungsgutschein ist eine außergewöhnliche Chance, sich kostenfrei weiterzubilden und die eigenen Karrierechancen zu verbessern. Die wichtigsten Punkte noch einmal im Überblick:
✓ Der Bildungsgutschein übernimmt 100% der Weiterbildungskosten
✓ Zusätzliche Kosten (Fahrt, Kinderbetreuung) werden ebenfalls gefördert
✓ Ihr Lebensunterhalt ist während der Maßnahme durch ALG I oder II gesichert
✓ Die Weiterbildung muss AZAV-zertifiziert sein
✓ Eine gute Vorbereitung auf das Beratungsgespräch ist entscheidend
✓ Eigeninitiative und arbeitsmarktorientierte Argumentation erhöhen Ihre Chancen
✓ Informieren Sie sich frühzeitig über Kursangebote in Ihrer Region
Abschlussworte: Investieren Sie in sich selbst
Als HR-Consultant erlebe ich täglich, wie Weiterbildung Leben verändert. Der Bildungsgutschein ist mehr als nur eine finanzielle Förderung – er ist eine Investition in Ihre Zukunft, die Ihnen niemand mehr nehmen kann.
Gerade wenn Sie neu in Deutschland sind oder längere Zeit arbeitslos waren, kann der richtige Bildungsabschluss oder eine gezielte Qualifikation der Wendepunkt in Ihrer Karriere sein. Nutzen Sie diese Chance!
Zögern Sie nicht, aktiv auf Ihr Arbeitsamt zuzugehen. Bereiten Sie sich gut vor, zeigen Sie Engagement – und kämpfen Sie für Ihre Weiterbildung. Die Mühe lohnt sich.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg auf Ihrem Weg zu neuen beruflichen Horizonten!
Mit ermutigenden Grüßen,
Quellen
Für diesen Artikel wurden folgende seriöse Quellen herangezogen:
- Bundesagentur für Arbeit – Bildungsgutschein und Förderung beruflicher Weiterbildung
https://www.arbeitsagentur.de/karriere-und-weiterbildung/foerderung-berufliche-weiterbildung - Sozialgesetzbuch (SGB) III – § 81 Bildungsgutschein, § 82 Förderung der beruflichen Weiterbildung
https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/ - Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) – Informationen zu Qualifizierungsmaßnahmen
https://www.bmas.de/DE/Arbeit/Aus-und-Weiterbildung/aus-und-weiterbildung.html - Deutscher Bildungsserver – Weiterbildung und AZAV-Zertifizierung
https://www.bildungsserver.de/Weiterbildung-60-de.html - Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) – Studien zur Wirksamkeit von Weiterbildungsförderung
https://www.iab.de/
Disclaimer
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Finanz- oder Rechtsberatung dar. Die Vergabe eines Bildungsgutscheins liegt im Ermessen der zuständigen Arbeitsagentur oder des Jobcenters. Die hier dargestellten Informationen ersetzen nicht die individuelle Beratung durch einen Arbeitsvermittler. Alle Angaben wurden nach bestem Wissen erstellt, jedoch können sich gesetzliche Regelungen und Förderrichtlinien ändern. Für konkrete Auskünfte zu Ihrem individuellen Fall wenden Sie sich bitte direkt an Ihre zuständige Agentur für Arbeit oder Ihr Jobcenter.
